Vienna Ugly Tour – Dank eines Faltersberichts zum Eurovision Song Contest wurde ich auf einen Stadtrundgang der anderen Art aufmerksam. Die Gruppe Space and Place bietet eine Tour zu den “hässlichsten” Gebäuden Wiens an und ich war dabei.
Eugene Quinn führt zwischen 2 und 3 Stunden ausgehend vom Karmelitermarkt über den Schwedenplatz zum BMVIT und dann weiter über den Stadtpark, den Stephansplatz und den Graben bis zum Heldenplatz.
Die Idee hinter der Tour – die hässlichen Seiten einer Stadt, die international für Sissi-Kitsch, Fiaker und Sachertorte bekannt ist zu zeigen – ist spannend und auch die Umsetzung hat mir ganz gut gefallen. Eugene führt locker durch die verschiedensten Plätze und hat immer wieder gute Geschichten zu den Gebäuden parat. Dafür gibt es ein großes Plus.
Leider gibt es auch zwei Minuspunkte zu vermerken: Der eine ist die Länge bzw die geforderte Geschwindigkeit. Die Tour in den angepeilten 2 Stunden zu erledigen gleicht wohl eher einem Halbmarathon als Sightseeing. Hier wäre der Mut zur Lücke wesentlich zielführender als die Tour zu lange zu gestalten bzw dauernd aufs Tempo drücken zu müssen.
Der zweite Punkt ist eher eine inhaltiche Anmerkung. In meinen Augen ist einige Male im Vortrag eher die schnelle Pointe gesucht worden und war man mit Kritik teilweise rasch bei der Hand – ohne diese inhaltlich zu untermauern:
Zu Beginn der Tour wurde unter anderem über die zahlreichen Dachgeschoßausbauten rund um den Karmelitermarkt gesprochen und diese sehr verallgemeinernd als städtebauliches Problem dargestellt. Dabei sind es gerade diese Dachwohnungen, die Sanierungen des restlichen Hauses erst ermöglichen und zu Maßnahmen wie Aufzugeinbau, neue Gas- und Stromleitungen, usw führen. Auch die angeführte Idee das Dachgeschoß als neue Fläche für kleine Smartwohnungen zu verwenden ist nett, aber bei den aktuell strikten Bauvorschriften, kaum vorhandenen Förderungen, usw nicht realistisch möglich. Natürlich bieten die Rohdachböden diese Stadt ein Protential für neuen Wohnraum und die Stadt braucht nicht tausende Penthäuser, aber dieses zu heben ist Aufgabe einer vernünftigen Stadtplanung und funktionierender Förderung.
PS: Die weitren Termine der Tour gibt es hier, trotz der Kritikpunkte gibt es eine Empfehlung!